Religion spielt auf Bali eine große Rolle – sie bestimmt den Alltag eines jeden Balinesen. So sind auch die Tempel und Schreine zu einem wichtigen Begleiter des Lebens auf der Insel geworden. An nahezu jeder Weggabelung befindet sich ein Schrein, jedes kleine Dorf verfügt bereits über mindestens drei Tempel: einen Ursprungstempel, einen Dorftempel und einen Unterweltstempel. Schließlich muss das ewige Gleichgewicht zwischen den Göttern und Dämonen beachtet werden.
Hinzu kommen Bezirkstempel und Tempel der Reisgenossenschaften, die alten Fürstengeschlechter besaßen Reich- und Staatstempel. Doch damit noch nicht genug: Der balinesische pura wird nur zu Festtagen von den Gläubigen betreten. Nur, wenn die Götter zu Besuch kommen, werden diese Tempel festlich geschmückt und mit reichhaltigen Opfergaben bestückt. Kein Wunder, dass Bali oft die „Insel der 10.000 Tempel“ genannt wird. Realistisch betrachtet sind es jedoch etwa doppelt so viele Gotteshäuser und Schreine – die Familientempel ausgenommen.
Sie werden auf Ihrer Entdeckungsreise durch die Insel auf unzählige dieser Tempel stoßen. Einige davon sollten Sie jedoch auf jeden Fall einmal gesehen haben. Pura Besakih, der Muttertempel, ist wichtigste Gottesstätte auf Bali. Die Anlage umfasst mehr als 30 Einzelkomplexe mit über 200 verschiedenen Bauwerken. Die einzelnen Schreine tragen altbalinesische Namen, über ihre Bedeutung sind sich selbst die Priester nicht einig. Allein schon die Lage der Tempelanlage ist sehenswert: Die Einzelkomplexe schmiegen sich in 900 Metern Höhe an die Hänge des Göttervulkans Gunung Agung, von hier aus liegt den Göttern und ihren Besuchern „die Welt“ zu Füßen.
Der Meerestempel Tanah Lot zählt zu den neun Reichstempeln und liegt scheinbar direkt im Meer: Auf einem Felsenriff an der Südküste Balis platziert ist der Tempel den Meeresgöttern und –geistern geweiht. Gläubige bringen hier Opfergaben an die im Meer lebenden Dämonen dar, um sie zu besänftigen. Tanah Lot bietet zum Sonnenuntergang hin ein faszinierendes Lichtschauspiel – genießen Sie es!
Immer sehenswert sind die erstaunlich farbenfrohen und lebendigen Tempelfeste. Auch die Totenverbrennungen sind – obwohl es für uns Europäer etwas makaber wirken kann – sehr bunt und fröhlich. Balinesen sehen den Tod nämlich nicht als endgültig an, sondern vielmehr als Zwischenstopp vor einem Neuanfang. Die Verbrennung des Toten befreit die unsterbliche Seele, die hierdurch frei für den Eintritt in die nächste Existenz ist. Die Asche, gleichbedeutend mit dem unreinen Teil des Verstorbenen, wird an das Meer übergeben. Wie das Leben der Balinesen folgen auch ihre Tempelfeste und die Totenverbrennungen strengen Ritualen. Werden Sie Zeuge!