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Religion als wichtigster LebensaspektDer Spitzname Balis – „Insel der Götter und Dämonen“ kommt nicht von Ungefähr: Religion prägt das Leben auf der Insel in jeder erdenklichen Form. Das alltägliche Speiseopfer für die Ahnen, der Hahnenkampf als Beginn für Tempelfeste, der Tanz eines jungen Mädchens oder die rituelle Totenverbrennung – der Glaube äußert sich farbenfroh, sinnlich und vielfältig. Die Vulkane sind Göttersitze und werden als solche verehrt. Selbst der balinesische König benannte sich einst nach dem Badung Agung, dem heiligen Berg. Unter dem Titel Dewa Agung herrschte seine Dynastie mehrere Jahrhunderte über Bali. Ein Zufall? Oder gelenkt von den Göttern?

Bali ist mit seiner Nachbarinsel Lombok einzige hinduistische Enklave außerhalb Indiens. Doch nicht nur das: In Indonesien leben die meisten Moslems der Welt. Trotzdem hielt sich der Hinduismus als einzige balinesische Religion bis heute – obwohl er sich hier weit von seinen indischen Wurzeln entfernte: Einst brachten indische Händler den Hinduismus nach Indonesien. Auf Java vermischte er sich mit dem Buddhismus und einheimischen Religionen. Von hier aus kam er durch die Heirat einer javanischen Prinzessin mit einem balinesischen Thronfolger nach Bali. Auf Bali angekommen, vermischte sich der javanische Glauben mit dem uralten Animismus und dem Ahnenkult. So entwickelte sich mit der Zeit die so genannte Hindu-Dharma-Religion, zu der sich heute 94 Prozent der Balinesen bekennen.

Darstellende Tänze zur Verehrung der GötterNoch immer bilden der Glaube an die Beseeltheit der Natur und die Verehrung der Ahnen den Kern der balinesischen Religion. Dies äußert sich vor allem in den noch immer vorhandenen Praktiken der Trancetänze und Dämonenopfer. Das religiöse Leben eines Balinesen ist hauptsächlich von vielen alltäglichen Ritualen bestimmt. Diese dienen dazu, den Gläubigen in Einklang mit dem Kosmos und seinen göttlichen Prinzipien zu bringen. Da der Mensch zwischen den kosmischen Polen liegt, muss er die Harmonie, die Gleichmäßigkeit, wahren. Daher bringen die Gläubigen sowohl den Göttern als auch den Dämonen tagtäglich Opfergaben dar. Die Gaben werden in mühevoller Kleinarbeit gefertigt – vom Reiskorn bis hin zum kunstvoll gestalteten Speiseopfer.

Neben den Gottheiten ist der Glaube an die Wiedergeburt ein deutliches Erbe des Hinduismus. Anders als in Indien glauben Balinesen jedoch, in der eigenen Sippe wiedergeboren zu werden. Wie im indischen Vorbild bestimmt auch in der balinesischen Religion das Karma den Rang des Wiedergeborenen. Ziel des ewigen Kreislaufes zwischen Leben und Tod ist es, die Vereinigung der Seele mit dem höchsten Gott durch ein möglichst tugendhaftes Leben zu erreichen.

Auf Bali herrschen die hinduistischen Gottheiten. Oberste Götter sind der Schöpfer Brahma, der Bewahrer Vishnu sowie der Zerstörer und Erneuerer Shiva. Zusammen bilden sie die heilige Dreifaltigkeit. Neben ihnen gibt es unzählige weitere Gottheiten – zuständig für Fruchtbarkeit, Glück, Weisheit und vieles mehr. Für jede Lebenslage gibt es einen zuständigen Gott. Sie alle sind jedoch nur Manifestationen des einzigen wahren Gottes: Sang Hyang Widi Wasa.

Tempel auf BaliOft wird Bali die „Insel der 10.000 Tempel“ genannt. Realistisch betrachtet sind es etwa doppelt so viele Tempel und Schreine – die Familientempel mit ihren Ahnenschreinen ausgenommen. Jede Dorfgemeinschaft besitzt allein schon drei Tempel: der Ursprungstempel, der Dorftempel und der Unterweltstempel. Hierzu kommen Bezirkstempel und Tempel der Reisgenossenschaften. Die alten Fürstengeschlechter besaßen Reich- und Staatstempel. Doch damit noch nicht genug: hinzu kommt der balinesische pura, der nur zu Festtagen von den Gläubigen betreten wird. Nur wenn die Götter zu Besuch kommen, werden diese Tempel festlich geschmückt und mit reichhaltigen Opfergaben bestückt.

Sie können die Tempel jederzeit besuchen, doch dabei sollten Sie einige Regeln beachten. Ohne den traditionellen Schal selendang ist das Betreten verboten, diese können jedoch am Eingang geliehen werden. Menschen mit blutenden Wunden und Frauen während ihrer Menstruation dürfen den Tempel ebenfalls nicht betreten, da Blut das Gotteshaus entweiht.