Für Balinesen hat Religion einen sehr hohen Stellenwert, sie ist stark mit dem alltäglichen Leben verwoben. Seitdem die „Insel der Götter und Dämonen“ bewohnt ist, hat sich der vorherrschende Glaube stets verändert. Was Touristen heute als „typisch balinesisch“ erkennen, ist über Jahrhunderte hinweg gewachsen. Um dies nachzuvollziehen, sollten Sie sich auf einen Ausflug in die Geschichte der Insel begeben.
Die ersten Bewohner Balis waren Einwanderer. Sie erreichten die Insel in der Mitte des dritten Jahrtausends vor Christus und stammten aus der südchinesischen Provinz Yunnan. Wenig später laufen indische Händler regelmäßig in Balis Häfen ein. Sie brachten - neben ihren Waren - Missionare und damit den hinduistischen Glauben auf die Insel. Langsam aber sicher vermischte sich der „neue Glauben“ mit dem bislang auf Bali vorherrschenden Buddhismus.
Das erste schriftlich belegte Königreich gründete König Warmadewa im Jahr 990 nach Christus. Die Stadt Pejeng in der Nähe von Ubud wurde zum Mittelpunkt des Reiches. Bali war jedoch nicht lange unabhängig. Nach der Hochzeit einer javanischen Prinzessin mit dem balinesischen Thronfolger im 13. Jahrhundert geriet die Insel in wirtschaftliche und politische Abhängigkeit des Nachbarn Java. 1343 übernahm die javanische Majaphit-Dynastie gänzlich die Herrschaft über Bali und den gesamten indonesischen Raum.
Die Javaner konnten ihre Herrschaft jedoch nicht lange aufrechterhalten: Als der Islam Java erreichte, zerfiel die Dynastie und die Elite floh nach Bali, wo sich der Sohn des letzten Herrschers zum neuen König ausrufen ließ. Er nahm den Titel Dewa Agung an und orientierte sich damit am balinesischen Glauben: „Dewa“ bedeutet so viel wie „Gott“, „Agung“ bezieht sich auf den heiligen Berg Balis. Der Exil-Javaner gründete die Gelgel-Dynastie, deren Sitz Klungkung wurde. Der neue Herrscher unterteilte Bali in Provinzen, die er seinen Verwandten und treuen Gefolgsleuten zur Verwaltung überließ. Nach und nach verselbständigten sich jedoch Balis Provinzen. Ihre Verwalter
nannten sich Rajas, folgten aber weiterhin dem Vorsitz der Gelgel-Dynastie.
Erst spät fanden die Europäer den Weg auf die Insel im Indischen Ozean. Im Jahr 1596 gründeten Niederländer einen Handelsstützpunkt im Westen Javas, von dem aus sie den ganzen indonesischen Raum kolonialisierten. Ein Jahr nach der Gründung des Stützpunkts liefen sie in Bali ein und gründeten 1602 die „Dutch East India Company“ zur gezielten Ausbeutung der Insel. Trotz der niederländischen Herrschaft hielt sich die Gelgel-Dynastie bis Mitte des 17. Jahrhunderts. Der Verfall des Reiches setzte jedoch viel früher ein und brachte Fehden zwischen den Provinzen Balis mit sich. Diese Fehden ermöglichten den Niederländern die endgültige Kolonialisierung: Ab 1846 herrschte ein niederländischer Regent mit Militärunterstützung vor Ort und entmachtete so den Dewa Agung.
Doch Bali war kein gern gesehenes Kind der Niederländer. Als 1904 ein chinesisches Schiff vor der Küste Balis strandete, wurde es nach altem balinesischen Brauch geplündert. Auf die Beschwerde des chinesischen Herrschers reagierten die Kolonialisten mit harter Hand: Nur zwei Jahre nach der Plünderung zerstörten sie Badung, das heutige Denpasar. Zwar floh die Bevölkerung aus der Stadt. Doch der Raja und einige seiner Getreuen versammelten sich zum „Puputan“, einem rituellen Selbstvernichtungskampf, da es keine Möglichkeit gab, die zahlenmäßig und technisch überlegenen Gegner zu besiegen. Eine Kapitulation kam für die Balinesen nicht in Frage, sie hätten damit ihre Ehre eingebüßt. Wiederum zwei Jahre später wiederholt sich die Geschichte in Klungkung mit dem Ergebnis, dass alle balinesischen Rajas entmachtet wurden. Die Herrschaft der Niederländer hielt bis 1942 an, doch auch dann war die Insel nicht selbständig: Japaner annektierten Indonesien und damit auch Bali.
Am 17. August 1945 verkündete der spätere Präsident Sukarno zwar die indonesische Unabhängigkeit. Jedoch erkannten die niederländischen Kolonialherrscher dies nicht an. Wiederum besetzten sie Bali. Vier Jahre lang kämpften balinesische Guerillagruppen gegen die Besatzungsmacht, bevor diese die Unabhängigkeit der Insel endlich anerkannte. Seitdem gehört Bali zu Indonesien.
Der junge Staat leidet unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Präsident Sukarno steuert Indonesien durch das Verlassen westlicher Bündnisse ins weltpolitische Abseits. Auch Bali leidet unter der Staatsführung. Nach und nach etabliert sich jedoch der Tourismus auf der „Insel der Götter und Dämonen“ und bringt den wirtschaftlichen Aufschwung mit sich. Als jedoch am 12. Oktober 2002 bei Sprengstoffattentaten auf zwei Diskotheken in Kuta 202 Menschen getötet werden, bricht der aufkeimende Tourismus völlig ein. Nur langsam erholt sich Bali als Urlaubsland von den Anschlägen. Gerade als die Gewinne aus der Reisebranche wieder anziehen, folgt ein weiteres Attentat: Am 1. Oktober 2005 sterben 26 Menschen bei Bombenanschlägen in Jimbaran und Kuta.
Trotz der Anschläge in jüngster Vergangenheit ist Bali eine Destination, die durch ihre Vielseitigkeit und die Freundlichkeit seiner Bewohner besticht.