Bali > Kultur > Tanzen für die Götter

TanzgruppeReligiöse Zeremonien und fröhliche Feste sind auf der „Insel der Götter und Dämonen“ eng mit traditionellen Tänzen verwoben. Zu jeder Gelegenheit gibt es eine andere Darbietung. Mal Ausdruck reiner Lebensfreude, mal eine tragische Erzählung – der balinesische Tanz ist vielseitig. Fast jedes Dorf hat eine eigene Tanztruppe. Zwar handelt es sich hauptsächlich um Amateure, aber das heißt nicht, dass sie keine lange Ausbildung hinter sich hätten. Legong-Tänzerinnen beispielsweise fangen bereits im Alter von fünf Jahren an zu lernen. Die komplizierten Schrittfolgen eines einzigen Tanzes stellen hohe Anforderungen an die Tänzer, deshalb spezialisieren
sie sich meist nur auf eine einzige Darbietung.

Barong

Barongtänzer mit MaskeDer Barong ein sehr anschaulicher und lebhafter Tanz. Er ist deshalb sehr beliebt unter Touristen. Er entstammt den exorzistischen Beschwörungsdramen aus animistischer Zeit und sollte Dämonen vertreiben. Noch heute wird er in Krisensituationen in einzelnen Dörfern getanzt. Er erzählt die Geschichte vom immerwährenden Kampf des Guten gegen das Böse. Barong, der Vertreter des Guten, wird meist von zwei Männern mit einer Löwenmaske dargestellt und kämpft gegen die böse Hexe Rangda. Die Handlung leitet sich aus indischen Epen ab und führt letztendlich zum Zweikampf der beiden Kontrahenten. Dieser geht jedoch letztendlich unentschieden aus, denn schließlich gehören Gut und Böse untrennbar zusammen.

Legong

Mädchen erlernen den LegongDer Legong ist ein junger Tanz – er entstand erst im 19. Jahrhundert an den Fürstenhöfen Balis und erzählt die Geschichte einer Prinzessin, die sich verirrt. Sie wird von einem König aufgenommen, widersetzt sich aber stand-haft seinen Annäherungsversuchen. Der Tanz steht für absolute Reinheit und ist der lieblichste unter den Frauen-tänzen. Die Tänzerin selber ist sehr jung, mit dem Eintritt in die Pubertät verliert sie nämlich ihre Reinheit und darf in den Legong in seiner traditionellen Form nicht mehr tanzen. Einzige Ausnahme: Touristenaufführungen. Da eine Darbietung jedoch nicht abendfüllend ist, wird der Legong meistens mit anderen Tänzen zusammen aufgeführt.

Kecak

TanzveranstaltungBeim Kecak handelt es sich ebenfalls um einen der jüngeren Tänze. Seine Geschichte gehört allerdings zu den ältesten der Welt. Umringt von einem Kreis aus 100 Männern, die monoton „Ke-cak“ rufen, stellen die eigentlichen Tänzer die Geschichte vom edlen Rama und seiner vom Bösen entführte Gattin Sita. Die Choreographie des Tanzes stammt von Walter Spies, der den Tanz als Untermalung für seinen Film „Insel der Dämonen“ aus dem Jahr 1933 verwendete. Eine andere Darstellung der Geschichte um Rama bietet das Ramayana-Ballett.

Neben diesen namhaften Tänzen gibt es noch eine Vielzahl sehenswerter Darstellungen. Der Baris, ein Männertanz, beschreibt die Tugend balinesischer Krieger. Der Kebyar duduk, ein Sitztanz aus den 1920er Jahren, thematisiert die Probleme Heranwachsender. Auch exotische Tänze, wie der Oleg tambulilingan, der von dem Flirt zwischen einem Hummelpärchen erzählt, sind auf Bali nicht ungewöhnlich. Maskentänze wie der Topeng, sind oft Höhepunkte von Tanzabenden. Einziger Gesellschaftstanz ist der Joged Bumbung, für den eine Fächertänzerin junge Männer zum Mitmachen animiert. Trancetänze sind ein besonderes Kapitel der Vorführungen: die Darsteller tanzen sogar auf glühende Kohlen!

Welchen Tanz Sie sich auch ansehen, farbenfrohe Gewänder und komplizierte Schrittfolgen finden Sie in allen Darbietungen. Alles in allem ein Schauspiel, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten!